
Der Oktober ist der Monat der Brustkrebsprävention, eine wichtige Gelegenheit, um Frauen für die Bedeutung der Früherkennung zu sensibilisieren. Wir haben Dr. Valerio A. Vitale, Facharzt für Radiologie und Senologe am Brust Zentrum in Lugano, interviewt, um dieses entscheidende Thema zu vertiefen.
Wissen und Prävention: Ein grundlegendes Duo
Dr. Vitale betont, wie das Bewusstsein der erste Schritt zur Prävention ist. „Die neuen Generationen zeigen eine wachsende Aufmerksamkeit für ihre Gesundheit und ihren Körper«, stellt er fest. „Prävention sollte dann beginnen, wenn man völlig gesund ist, ohne offensichtliche Symptome; und zwar durch Untersuchungen wie die Mammographie«.
Im Tessin erhalten laut dem kantonalen Screening-Programm alle Frauen über 50 Jahre eine Einladung zu dieser Untersuchung. Sie ist grundlegend, um eventuelle Veränderungen zu entdecken, bevor sie klinisch evident werden.
Die Vorboten eines Brusttumors können sich auch hinter seinem Erscheinungsbild verbergen. Wir wissen, dass sich die Brust in den verschiedenen Wachstumsphasen verändert, von der Pubertät über die Schwangerschaft bis hin zur Stillzeit. Nach der Menopause bleibt das Erscheinungsbild der Brust hingegen tendenziell stabil. In der Prämenopause unterliegt die Brust natürlichen Veränderungen, weshalb es wichtig ist, eventuelle verdächtige Veränderungen zu erkennen. „Veränderungen der Hautfarbe, plötzliche Asymmetrien oder Veränderungen der Brustwarze können Warnsignale sein«, warnt Dr. Vitale. „Wenn diese Symptome anhalten, ist es unerlässlich, einen Arzt für eine gründliche Untersuchung aufzusuchen«.
In der Regel beginnt die Untersuchung mit dem Abtasten und einer Ultraschalluntersuchung. Brustschmerzen hingegen, obwohl besorgniserregend, sind nicht immer mit Tumoren verbunden; oft hängen sie mit hormonellen Veränderungen zusammen; ähnliches gilt für die Bildung oder Vergrösserung einer Zyste.
Das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, variiert je nach verschiedenen Faktoren. „Alter bei der ersten Menstruation, Schwangerschaft, Stillzeit, Lebensstil und Familiengeschichte sind Elemente, die das Risiko beeinflussen«, erklärt Dr. Vitale. „Frauen mit einer Familiengeschichte von Tumoren, wie Eierstockkrebs, Prostatakrebs oder Melanom, könnten anfälliger sein«. In diesen Fällen ist eine genetische Beratung ratsam, um eventuelle Mutationen zu identifizieren. Dr. Vitale hebt hervor, wie Schwangerschaft und Stillzeit hingegen eine schützende Wirkung gegen Brustkrebs haben können: „Die Schwangerschaft reduziert das Risiko, während das Stillen molekulare Mechanismen auslöst, die die Brust schützen«.
Diagnose und Behandlungen: Ein Integrierter Ansatz
Die Früherkennung ermöglicht den Einsatz weniger invasiver Behandlungen. „Nicht alle Brustkrebserkrankungen erfordern aggressive Therapien«, sagt Dr. Vitale. „Eine Chemotherapie ist angezeigt, wenn das Risiko einer Zellverbreitung besteht, während die Strahlentherapie postoperativ eingesetzt wird, um eventuelle Restzellen zu beseitigen und das Risiko eines lokalen Rückfalls zu verringern«.
Im Falle einer Mastektomie (Brustentfernung) ist die Rekonstruktion der Brust eine Möglichkeit, die mit dem plastischen Chirurgen besprochen werden kann.
Die Brustkrebsprävention ist eine gemeinsame Verantwortung zwischen Frauen, Fachpersonen im Gesundheitswesen und der Gemeinschaft.
Die Früherkennung und ein integrierter Behandlungsansatz können im Kampf gegen diese Krankheit den Unterschied machen.