Gehtraining bei älteren Menschen, die sich nicht bewegen

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Bei älteren Menschen, die sich nicht bewegen, können selbst ein paar Meter jeden Tag den Unterschied ausmachen. Wir sprechen mit Massimiliano Mingolini, Physiotherapeut bei Fisioterapia Mingolini in Lugano und Cadro.

Im Laufe der Zusammenarbeit mit Spitex-Diensten für die häusliche Pflege ist mir bewusst geworden, wie wichtig das Thema Bewegung bei älteren Menschen ist. Ich habe gesehen, dass es zwischen den einzelnen Behandlungen und Therapien immer schwieriger ist, sie an einen anderen Ort zu bringen, weil sie sich nicht selbst helfen. Viele verlieren ihre Selbstständigkeit, obwohl dies in dieser Form nicht notwendig wäre“, erläutert der Physiotherapeut. Es folgen einige Ratschläge für das Gehtraining bei älteren Menschen, die sich nicht bewegen.

Zur Bewegung motivieren

„Ältere Menschen zur Bewegung zu motivieren, ist sehr wichtig. Ein wenig Gymnastik oder ein kurzer Spaziergang von 100 Metern fördern den Stoffwechsel und tun den Atemwegen und dem Darm gut“, so Massimiliano Mingolini.

Um sich an konstante Bewegung zu gewöhnen, muss sich die betroffene Person ein wenig Zeit für körperliche Aktivität nehmen. Viele ältere Menschen hängen komplett vom Betreuungs- oder Pflegepersonal ab, um sich zu bewegen. Dagegen ist es wichtig, dass sie sich bewusst werden, dass sie selbst die Initiative ergreifen und sich bewegen können.“ 

Was geschieht normalerweise, wenn ältere Menschen sich nur noch schwer fortbewegen?

Man greift zu Hilfsmitteln, vom Gehstock bis hin zu Rollator, aber das verstärkt nur noch die Angst, hinzufallen. Und Angst ist oft der Grund dafür, dass ältere Menschen ihre Stabilität verlieren. Um diese Angst zu überwinden, geht ein Physiotherapeut beim Gehtraining schrittweise vor. Physiotherapeuten sind in der Tat „Begleiter“, die die Patient/innen auf den rechten Weg bringen. Dabei wird jedem seine Zeit gelassen.

Wenn die betroffene Person an einem Tag keine Aktivität möchte, darf sie nicht hierzu gezwungen werden. Ihr sollte jedoch bewusst gemacht werden, wie wichtig Bewegung ist, um im Alltag möglichst selbstständig zu bleiben. Mangelnde Bewegung kann zu Dyspnoe (Atemnot) und Stürzen führen. Deswegen muss der Körper trainiert und schrittweise zum Ziel gebracht werden.“

Wie kann man älteren Menschen zu mehr Autonomie im Alltag verhelfen?

Autonomie von älteren Menschen im Alltag – Activity Daily Living

Ein Beispiel“, fährt der Physiotherapeut fort: „Wenn ich einen Patienten habe, der mit einem Gehgestell läuft, jedoch noch eine gute Stabilität hat, können wir es mit einem Gehstock versuchen, der einfacher zu benutzen ist und sich auch zum Treppensteigen eignet. Das Ziel ist die Autonomie der Senioren im sog. ADLActivity Daily Living, d. h. in seinem Alltag.

Für ältere Menschen, die in einem Haus mit mehr als einem Stockwerk wohnen, bedeutet dies, Treppen hinauf- und hinuntergehen zu können. Oft stossen wir bei den Patienten aufgrund von Angst auf Widerstand: Nach einem schmerzvollen Sturz möchten die Betroffenen Stabilität. Das Problem ist jedoch, dass gerade Angst zu Stürzen führt, da Menschen, die sich in Panik befinden, die Klarsicht verlieren.

Wir Physiotherapeuten arbeiten daher auf psychomotorischer Ebene, auch wenn es für ältere Menschen nicht immer einfach ist, uns bei dieser Arbeit zu folgen, denn in der Vergangenheit war ein Physiotherapeut lediglich ein Masseur, während sich das Berufsbild inzwischen weiterentwickelt hat. Sie müssen akzeptieren, dass es darum geht, die Muskeln zu stärken und somit aktiv Bewegungsfähigkeit zurückzuerlangen.“

Ältere Menschen und ihre Familienangehörigen fürchten nicht selten die Gefahren, die zu Hause lauern.

Wie lassen sich diese Gefahren und Hindernisse überwinden?

Zunächst muss klargestellt werden, welche realen Gefahren zu Hause vorhanden sind. Wenn beispielsweise eine kleine Stufe überwunden werden muss, um ins Badezimmer zu kommen, überlegen wir, wie am besten vorzugehen ist, und erklären das der betroffenen Person und auch den Familienangehörigen. Zur Arbeit, die notwendig ist, um die älteren Menschen, die sich nicht bewegen, zu mehr Bewegung zu erziehen, gehört auch, ihre Ängste, ihren Alltag und die Gestaltung ihres Eigenheims zu bewerten. Meiner Ansicht nach lässt sich der Erfolg an einer Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen messen. 

 Ich freue mich, wenn mir die von mir betreuten Personen zum Beispiel sagen, dass sie nach zwei Monaten Therapie allein zum Bäcker gegangen sind. Die kleinen alltäglichen Erfolge müssen immer hervorgehoben werden. Wenn ältere Menschen nachts allein ins Badezimmer gehen, ohne zu stürzen, bedeutet das eine Verbesserung ihres Alltags und auch die Angehörigen machen sich weniger Sorgen.

Für Informationen: info@fisioterapiamingolini.ch

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